Das schafsähnliche Fell der Selkirk Rex tauchte im Jahre 1987 im US-Bundesstaat Wyoming zum ersten Mal auf. Eine spontane Mutation hatte bei einem Jungtier dieses pelzige, dicht gekräuselte Haarkleid verursacht. Die Paarung mit einem schwarzen Perser führte zu Nachkommen, die ebenfalls dieses besondere Fell trugen. Weitere Einkreuzungen mit verschiedenen Kurzhaar-Rassen festigten die neue Rasse, die bald darauf den Namen Selkirk Rex erhielt. Die lang- oder kurzhaarigen Selkirk-Felle unterliegen einem komplizierten Wachstumsprozeß, der nach etwa zehn Monaten abgeschlossen ist. Da die Fellbeschaffenheit das Aushängeschild dieser Rasse ist, erlaubt der offizielle Standard jede Fellzeichnung oder Grundfarbe, soweit sie nur mit der Farbe der Augen harmonisiert.
Diese zu den ältesten und beliebtesten Rassen zählenden Siamkatzen existierten bereits im 14. Jahrhundert in Thailand. Die im Katzen-Gedichte-Buch aus dieser Zeit beschriebenen und abgebildeten Katzen waren vermutlich Siamkatzen. Das kostbare Buch aus einer alten Siam-Bibliothek zeigt jedenfalls schlankgliedrige Katzen, die mit ihrer Maskenzeichnung und Abzeichen den heutigen Siamesen stark ähneln. Erst im späten 19. Jahrhundert wurden Siamkatzen aus Thailand nach England und in die USA exportiert. Siamkatzen haben eine sehr helle Fellgrundfarbe mit Maske und Abzeichen in den Farben Blau, Seal, Chocolate, Lilac oder Lavender. Inzwischen werden auch Rot und Creme als Fellfarbe sowie gestromte und Tortie-Abzeichen anerkannt.
Erst um die Jahrhundertwende erschienen die ersten Sibirischen Waldkatzen, die im Norden Rußlands schon seit mindestens 1000 Jahren bekannt sind, in der westlichen Welt. Obwohl sich die Verbreitung dieser Rasse lange Zeit in Grenzen hielt, ist die Sibirische Waldkatze möglicherweise eine der Stammformen aller langhaarigen Katzenrassen. Heute wird sie vor allem in Rußland, Deutschland und den Vereinigten Staaten geschätzt und gezüchtet. Als Anpassung an das frostige, rauhe Klima ihrer unwirtlichen Heimat haben die Sibirischen Waldkatzen ein dichtes und langhaariges, stark wasserabweisendes Fell entwickelt. Anerkannt sind, mit Ausnahme der Siamzeichnung, alle üblichen Fellfarben. Am häufigsten kommt die Sibirische Waldkatze jedoch immer noch mit dem gestromten Fell des Urtyps vor.
Fünf halbwilde Katzen, die im Jahre 1975 aus Singapur nach Kalifornien eingeführt wurden, bildeten den Grundstock für die Zucht dieser grazilen Rasse. Obwohl es anfangs Schwierigkeiten gab, die Jungtiere erfolgreich großzuziehen, etablierte sich diese Rasse schnell und wurde zu einem begehrten Haustier und erfolgreichen Ausstellungstier. Entsprechend ihrer Heimat Singapur wurde ihr der Name Singapura gegeben. Singapuras sind sehr viel kleiner als ihre afrikanischen Verwandten, haben im Vergleich zu ihnen einen deutlich rundlicheren Körper und weiter auseinanderstehende Augen. Ebenso wie die Abessinierkatzen haben auch diese grazilen Katzen ein rotbraunes geticktes Fell mit cremefarbenen und gelben Bändern. Allerdings dürfen Singapuras auch an den Beinen die Bänderung besitzen.
In den sechziger Jahren erlebten Katzenzüchter in Philadelphia bei dem Wurf einer Siam-Katze eine unliebsame Überraschung. Drei der Jungtiere zeigten, statt der vorgeschriebenen dunkel gezeichneten Beine, weiße >>Söckchen<< an den Pfoten. Durch gezieltes Einkreuzen von Kurzhaar-Rassen entstand aus diesem Siam-Stamm bald eine neue Rasse, die wegen der weißen Pfoten >>Snowshoe<< oder Schneeschuh genannt wurde. Ein weiteres markantes Merkmal der neuen Rasse war eine v-förmige Maske im Gesicht. Die >>Snowshoe<<-Katzen haben den schlanken Körper der Siamesen und auch deren Fellfarben mit weißen Abzeichen im Gesicht, auf den Ohren und der Brust, sowie auf den Füßen und an einigen Stellen der Beine. Die bevorzugten Farben sind Seal und Blau.
Im letzten Jahrhundert verwendeten britische Züchter ausschließlich die kurzhaarigen Exemplare der neu entdeckten Abessinierkatzen für die Katzenzucht. Deshalb glaubte man lange Zeit, daß Abessinier-Katzen nur kurzhaarig vorkommen. In den sechziger Jahren erlebten Katzenzüchter eine Riesenüberraschung, als in mehreren Würfen von Abessinierkatzen auch langhaarige Jungtiere auftauchten. Als Ursache für die Langhaarigkeit stellte sich ein rezessives Gen heraus, das fortan etabliert wurde und den Grundstock für eine neue Rasse bildete: die Somali. Ihre enge Verwandtschaft zur Abessinierkatze wird durch die Namensgebung deutlich: Somalia ist der Nachbarstaat Äthiopiens, dem früheren Abessinien. Das weiche und seidige Fell, dessen Haar in mehreren Bändern dunkel getickt sein kann, existierte ursprünglich nur in den Farben Rotbraun oder Rot. Inzwischen gibt es die Somali aber auch in Silber, Haselnuß, Blau, Lavender, Blau- oder Silbercreme.
Unbestätigten Berichten zufolge soll es schon früher in Frankreich, Mexiko und Südamerika nackte Katzen gegeben haben. Doch wurden diese nicht weitergezüchtet und sind inzwischen wohl ausgestorben. Der erste Wurf unbehaarter Katzen, der bekannt wurde, stammte aus dem kanadischen Ontario, wo im Jahre 1966 bei der Paarung zweier Hauskatzen das versteckte rezessive Gen für die Haarlosigkeit zum ersten Mal in Erscheinung trat. Zwar wurde durch konsequente Inzucht der haarlosen Jungtiere untereinander eine neue Rasse, die Sphynx geschaffen, doch ist der Rassestatus nicht unumstritten. Natürlich ist die Haut der Nacktkatze nicht gänzlich nackt oder haarlos, sondern mit einer hauchzarten Flaumschicht überzogen. Die am ganze Körper sichtbare Haut spiegelt dennoch die Farben und Muster des nicht vorhandenen Fells wieder und kann jede anerkannte Farbe oder Farbkombination haben.
Die Tonkanesen gingen aus der Kreuzung von Siam- mit Burma-Katzen hervor. Wie lange es die Rasse schon gibt, wird immer ein Geheimnis bleiben, denn wahrscheinlich waren bereits unter den Tieren, die im 19. Jahrhundert als Burma-Katzen nach Großbritannien eingeführt wurden, solche Mischlinge vertreten. Um die Rasse rein zu halten, werden seit den dreißiger Jahren die Tonkanesen nur noch untereinander verpaart. Interessanterweise bringt die Verpaarung von zwei Tonkanesen immer auch Tiere der ursprünglichen Rassen hervor. So besteht der meist vierköpfige Wurf aus zwei Tonkanesen- und je einem Siam- und Burma-Jungtier. Das Fell zeigt die Merkmale beider Elternrassen. Es hat den Glanz der Burma und die Abzeichen der Siam. Der eigentümlich Nerzglanz im Fell der Tonkanesen gab ihm den Namen "Mink", nach dem englischen Namen für Nerz. Die populärste Farbe ist Mink natur, inzwischen sind aber auch Honig-Mink, Champagner sowie "Blue-shaded" als Fellfarben anerkannt. Die Augenfarbe ist Blaugrün.
Die in und um Ankara lebenden Katzen waren schon im 15. Jahrhundert als Ankara-Katzen oder Angoras bekannt. Ihr hübsches Aussehen ließ sie bald über die Grenzen hinaus populär werden und so wurden sie auch nach England und Frankreich eingeführt. Weil die Ur-Angoras immer wieder mit Perserkatzen verpaart wurden, drohte die Rasse um die Jahrhundertwende auszusterben. Dank eines vom Zoo in Ankara gestarteten Zuchtprogramms konnte die Angora überleben und erhielt später den Namen Türkisch Angora. Rückzüchtungen in den Vereinigten Staaten schufen dort eine ähnliche Rasse. Mit ihrem graziösem Körperbau und ihrem langen, seidigen Fell gilt die Angora als eine der schönsten Katzenrassen überhaupt. Während die klassische Farbe der Türkisch Angora kalkweiß ist, hat ihre amerikanische Verwandte ein lavenderfarbenes, haselnußbraunes oder zimtrotes Fell. Inzwischen ist auch die Türkish Angora in vielen anderen Farben, Farbkombinationen und Musterungen anerkannt.
Die Türkisch Van stammt ursprünglich aus den bergigen Regionen der Osttürkei. Wahrscheinlich gab es die Rasse schon zur Zeit des Römischen Imperiums. In der Abgeschiedenheit der Täler um den Van-See entwickelten sich aus den dortigen Hauskatzen im Lauf der Jahrhunderte Tiere mit der einzigartigen Fellzeichnung, dem Van-Muster: rost- bis kastanienbraune Flecken auf weißer Grundfarbe. 1955 brachten Fotografen aus dem Osten der Türkei einige Jungtiere nach Großbritannien mit, die den Zuchtstamm der heutigen Türkisch Van bildeten. Anders als alle anderen Katzenrassen zeigen die meisten Türkisch Van-Katzen eine ausgesprochene Leidenschaft für Wasser und lieben es, im seichten Wasser zu schwimmen. In den USA sind inzwischen viele Fellfarben anerkannt, in Europa wird die Türkisch Van mit weißem Fell und kastanienbraunen Abzeichen gezüchtet.

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